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Osteopathie in der Gynäkologie und Urologie – wann kann sie sinnvoll sein?

  • Autorenbild: Marie Pössel
    Marie Pössel
  • vor 7 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Vielleicht erkennen Sie sich hier wieder ...

  • Ihre Menstruation ist regelmäßig, aber mit starken Schmerzen verbunden. 

  • Nach der Geburt fühlt sich Ihr Beckenboden nicht mehr so belastbar an wie früher. 

  • Sie verlieren beim Husten, Niesen oder Sport ungewollt Urin. 

  • Sie leiden unter wiederkehrenden Blasenbeschwerden, obwohl medizinisch keine eindeutige Ursache gefunden wurde. 

  • Geschlechtsverkehr ist schmerzhaft oder unangenehm. 

  • Sie spüren Druck, Ziehen oder Schmerzen im Becken. 

Beschwerden im Beckenbereich sind häufig – und trotzdem sprechen viele Frauen und Männer nur ungern darüber. Dabei können sie den Alltag und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Die Osteopathie kann in vielen Fällen eine sinnvolle Ergänzung zur gynäkologischen oder urologischen Behandlung sein. Doch wann ist sie wirklich sinnvoll? Und wann nicht? Das und mehr erfahren Sie in diesem Beitrag.



Was bedeutet Osteopathie in der Gynäkologie und Urologie?

Die gynäkologische und urologische Osteopathie beschäftigt sich mit funktionellen Beschwerden im Bereich des Beckens. Dazu gehören unter anderem der Beckenboden, die Blase, die Harnwege sowie die weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur das Organ, das Beschwerden verursacht. Vielmehr betrachtet die Osteopathie den Körper als funktionelle Einheit. Beweglichkeit und Zusammenspiel von Muskeln, Faszien, Bändern, Gelenken und Nerven werden ebenso berücksichtigt wie die Verbindung zu Wirbelsäule, Zwerchfell und Atmung. Denn Einschränkungen in einem Bereich können sich auf andere Strukturen auswirken. 

Ein weiterer wichtiger Bestandteil sind Narben und Gewebeveränderungen. Nach Operationen oder einem Kaiserschnitt können Verklebungen entstehen, die die Beweglichkeit des Gewebes beeinflussen. Auch Durchblutung und Lymphabfluss spielen bei der Beurteilung eine Rolle. Ziel der Behandlung ist es, die natürliche Beweglichkeit der Gewebe zu fördern und die Funktion des Beckens bestmöglich zu unterstützen.

Der Beckenboden übernimmt dabei eine zentrale Rolle. Er sorgt für Stabilität, unterstützt die Beckenorgane, trägt zur Kontinenz bei, spielt eine wichtige Rolle für die Sexualfunktion und passt sich während einer Schwangerschaft und Geburt ständig neuen Anforderungen an. 

Dabei ist der Beckenboden weit mehr als nur eine Muskelgruppe, die man bewusst an- und entspannen kann. Er besteht aus mehreren Muskelschichten, Faszien, Bändern, Nerven und Bindegewebe, die eng mit den Beckenorganen sowie mit Bauchmuskulatur, Zwerchfell und Wirbelsäule zusammenarbeiten. Erst dieses Zusammenspiel ermöglicht eine gesunde Funktion. Deshalb reicht es bei Beschwerden oft nicht aus, den Beckenboden einfach nur zu kräftigen. Manchmal ist er bereits zu angespannt, Narben schränken die Beweglichkeit ein oder andere Strukturen beeinflussen seine Funktion. Die osteopathische Behandlung betrachtet deshalb das gesamte System und nicht nur einzelne Muskeln.


Osteopathie an der Taille

Wann kann ein*e Osteopath*in unterstützen?

Jeder Mensch und jede Beschwerde ist unterschiedlich. Deshalb steht am Beginn jeder Behandlung eine ausführliche Untersuchung, um mögliche Ursachen und Zusammenhänge zu erkennen. Zeigen sich funktionelle Einschränkungen, kann eine osteopathische Behandlung in vielen Lebensphasen und bei unterschiedlichen Beschwerden sinnvoll unterstützen.


Osteopathie rund um Zyklus und Frauengesundheit

Beschwerden wie Menstruationsschmerzen, PMS, chronische Beckenschmerzen oder Endometriose können den Alltag erheblich beeinträchtigen. Auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Vulvodynie oder Vaginismus können mit Spannungen oder Bewegungseinschränkungen im Gewebe verbunden sein.

Die Osteopathie kann hier begleitend dazu beitragen, die Beweglichkeit der betroffenen Strukturen zu verbessern und Spannungen zu reduzieren. Sie ersetzt dabei keine gynäkologische Behandlung, kann diese jedoch sinnvoll ergänzen.


Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt mit osteopathischer Begleitung

Bereits vor einer Schwangerschaft kann eine osteopathische Behandlung sinnvoll sein, um das Becken auf eine Schwangerschaft vorzubereiten, Narben zu behandeln oder Spannungen im Beckenboden zu lösen.

Während der Schwangerschaft kann sie unter anderem bei Rücken-, Becken- oder Symphysenschmerzen unterstützen und den Körper auf die Geburt vorbereiten. Nach der Geburt stehen häufig die Rückbildung, die Behandlung von Kaiserschnitt- oder Dammnarben sowie Beschwerden des Beckenbodens im Mittelpunkt. Auch Steißbeinbeschwerden oder ein anhaltendes Druckgefühl können behandelt werden.


Osteopathie für Blase, Beckenboden und in den Wechseljahren

Der Beckenboden verändert sich im Laufe des Lebens. Beschwerden wie Belastungs- oder Dranginkontinenz, wiederkehrende Blasenbeschwerden oder Senkungsbeschwerden können in verschiedenen Lebensphasen auftreten – beispielsweise nach einer Geburt oder während der Menopause.

Auch hormonelle Veränderungen können Einfluss auf das Gewebe und die Funktion des Beckenbodens haben. Ziel der osteopathischen Behandlung ist es, mögliche funktionelle Zusammenhänge zu erkennen und die natürliche Funktion des gesamten Beckens zu unterstützen.


Osteopathie nach gynäkologischen und urologischen Operationen

Narben nach gynäkologischen oder urologischen Eingriffen können die Beweglichkeit von Gewebe beeinflussen und Beschwerden verursachen. Nach abgeschlossener Wundheilung kann eine osteopathische Behandlung dazu beitragen, Narben und umliegende Strukturen wieder beweglicher zu machen. Auch hier erfolgt die Behandlung immer in Abstimmung mit dem*der behandelnden Arzt*Ärztin.

Wichtig: Osteopathie versteht sich als ergänzende Behandlung. Sie ersetzt keine ärztliche Diagnostik oder Therapie, kann diese jedoch sinnvoll unterstützen.


Osteopathische Behandlung am Bauch

Wie läuft eine gynäkologische osteopathische Behandlung ab?

Jede Behandlung beginnt mit einem ausführlichen Gespräch. Dabei geht es nicht nur um Ihre aktuellen Beschwerden, sondern auch um frühere Operationen, Schwangerschaften, Geburten, Verletzungen oder Narben. Oft ergeben sich daraus wichtige Hinweise auf Zusammenhänge, die im ersten Moment gar nicht offensichtlich erscheinen.

Anschließend folgt eine osteopathische Untersuchung. Dabei werden unter anderem Haltung, Beweglichkeit des Beckens, Spannung von Muskeln und Faszien sowie die Funktion des Beckenbodens beurteilt. Je nach Beschwerdebild kann – nach ausführlicher Aufklärung und nur mit Ihrem ausdrücklichen Einverständnis – auch eine interne Untersuchung beziehungsweise Behandlung sinnvoll sein. Diese erfolgt immer behutsam und ausschließlich dann, wenn sie medizinisch sinnvoll erscheint.

Ein Beispiel aus der Praxis: Nach einem Kaiserschnitt kann das Narbengewebe die Beweglichkeit der umliegenden Faszien einschränken. Gemeinsam mit einer erhöhten Spannung im Beckenboden kann dies zu Schmerzen oder einem Druckgefühl führen. In der Behandlung werden sowohl die Narbe als auch die umliegenden Gewebe sanft mobilisiert, um ihre Beweglichkeit zu verbessern und den Körper in seiner Funktion zu unterstützen.

Abschließend erhalten Sie – wenn sinnvoll – individuelle Übungen oder Empfehlungen für den Alltag. Denn eine erfolgreiche Behandlung lebt nicht nur von den manuellen Techniken, sondern auch davon, den Körper langfristig in seiner Funktion zu unterstützen.


Wann ist Osteopathie nicht geeignet?

Osteopathie kann viele Beschwerden begleiten, sie ist jedoch nicht in jeder Situation die richtige Behandlung.

Vor einer osteopathischen Behandlung sollten Beschwerden immer gynäkologisch oder urologisch abgeklärt werden, wenn sie neu auftreten, sehr stark sind oder keine eindeutige Ursache bekannt ist.

Eine Behandlung ist außerdem nicht oder nur nach ärztlicher Rücksprache sinnvoll:

  • bei akuten Infektionen oder Fieber 

  • bei Risikoschwangerschaften 

  • direkt nach Operationen 

  • während einer Chemo- oder Strahlentherapie 

  • bei starken Blutungen oder akuten Notfällen 

  • bei ungeklärten starken Schmerzen 

  • bei Verdacht auf Tumorerkrankungen oder andere schwerwiegende Erkrankungen 

In diesen Situationen stehen zunächst die medizinische Diagnostik und Behandlung im Vordergrund. Die Osteopathie kann gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt ergänzend eingesetzt werden.


Gynäkologische und urologische Osteopathie in Physio Central in Hall

Beschwerden im Beckenbereich werden noch immer viel zu selten angesprochen. Themen wie Beckenboden, Blase oder Sexualität sind für viele Menschen noch immer schambesetzt – dabei können sie Gesundheit, Alltag und Lebensqualität erheblich beeinflussen.

Im Praxisalltag als Physiotherapeutin und Osteopathin mit Schwerpunkt Gynäkologie und Urologie erlebe ich immer wieder, wie eng der Beckenbereich mit anderen Strukturen des Körpers zusammenhängt. Rücken-, Hüft- oder Bauchbeschwerden lassen sich häufig nicht vollständig verstehen, ohne auch den Beckenbereich mit zu betrachten. Viele Strukturen unseres Körpers stehen in enger funktioneller Verbindung miteinander, und Beschwerden entstehen häufig nicht dort, wo sie letztlich spürbar werden.

Zu oft höre ich Sätze wie „Damit muss man eben leben“ – sei es nach einer Geburt, bei Inkontinenz, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, wiederkehrenden Rückenschmerzen oder einer trägen Verdauung. Meine Erfahrung zeigt jedoch, dass sich ein genauer Blick häufig lohnt. Oft eröffnen sich dadurch neue Zusammenhänge und Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern sowie Lebensqualität zu erhalten oder zurückzugewinnen.

Beschwerden verdienen es aber, wahrgenommen, ernst genommen und sorgfältig untersucht zu werden. Denn oft gibt es Zusammenhänge und Behandlungsmöglichkeiten, die Betroffenen vorher gar nicht bewusst waren. Deshalb lohnt es sich, Beschwerden nicht einfach als „normal“ hinzunehmen, sondern ihnen aufmerksam nachzugehen. Die Osteopathie betrachtet deshalb nicht nur einzelne Symptome, sondern das Zusammenspiel von Beckenboden, Organen, Muskeln, Faszien und Nervensystem.

Ob bei Zyklusbeschwerden, während oder nach einer Schwangerschaft, bei Blasenproblemen, Inkontinenz oder Beschwerden nach Operationen – eine osteopathische Behandlung kann in vielen Fällen eine sinnvolle Ergänzung zur gynäkologischen oder urologischen Betreuung sein. Voraussetzung ist immer eine sorgfältige Untersuchung und – wenn notwendig – eine vorherige ärztliche Abklärung.

Sie sind unsicher, ob eine osteopathische Behandlung für Ihre Beschwerden sinnvoll sein könnte? Gerne nehme ich mir Zeit für ein persönliches Gespräch und berate Sie individuell.

Hinsehen statt wegsehen. Zusammenhänge verstehen. Lebensqualität erhalten und zurückgewinnen.

FAQ


Kann Osteopathie bei Endometriose helfen?


Endometriose ist eine chronische Erkrankung, die ärztlich behandelt werden sollte. Die Osteopathie kann die Erkrankung nicht heilen. Sie kann jedoch begleitend sinnvoll sein, um Spannungen im Gewebe zu reduzieren, die Beweglichkeit im Becken zu fördern und Beschwerden wie Schmerzen oder ein Druckgefühl zu lindern. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt immer von der individuellen Situation ab.


Ist eine Behandlung während der Schwangerschaft möglich?


Grundsätzlich kann eine osteopathische Behandlung auch während der Schwangerschaft durchgeführt werden. Häufige Gründe sind Rücken- oder Beckenschmerzen, Symphysenbeschwerden oder die Vorbereitung des Beckens auf die Geburt. Bei Risikoschwangerschaften oder besonderen medizinischen Fragestellungen sollte die Behandlung immer in Abstimmung mit dem*der betreuenden Gynäkolog*in erfolgen. 


Ist eine interne Untersuchung oder Behandlung immer notwendig?


Nein. In vielen Fällen kann bereits eine äußere Untersuchung wertvolle Informationen liefern und eine Behandlung ohne interne Techniken erfolgen.

Eine interne Untersuchung oder Behandlung wird nur dann empfohlen, wenn sie medizinisch sinnvoll ist, einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn bringt und Sie dieser ausdrücklich zustimmen. Sie wird vorher genau erklärt und kann jederzeit abgelehnt oder beendet werden.


Kann Osteopathie bei Inkontinenz unterstützen?


Inkontinenz kann viele unterschiedliche Ursachen haben. Nicht immer ist ein zu schwacher Beckenboden der Auslöser. Auch eine erhöhte Muskelspannung, Narben, Veränderungen der Organbeweglichkeit oder Funktionsstörungen im Becken können eine Rolle spielen. Ebenso kann das Nervensystem Einfluss auf die Blasenfunktion haben – beispielsweise bei einer Reizblase, bei der Stress oder eine erhöhte Anspannung die Beschwerden verstärken können.

Die osteopathische Behandlung betrachtet deshalb das gesamte Zusammenspiel von Beckenboden, Organen, Nerven und umliegenden Strukturen. Ziel ist es, mögliche funktionelle Zusammenhänge zu erkennen und die normale Funktion des Beckens bestmöglich zu unterstützen.


Wann ist der richtige Zeitpunkt nach einer Geburt oder einem Kaiserschnitt?


In den meisten Fällen empfiehlt sich eine osteopathische Behandlung etwa sechs Wochen nach der Geburt, wenn die akute Heilungsphase abgeschlossen ist. Dann können unter anderem der Beckenboden, Narben und die veränderten Strukturen des Beckens gezielt untersucht und behandelt werden.

Je nach Beschwerden kann eine Behandlung – nach Rücksprache mit der betreuenden Gynäkologin, dem*der betreuenden Gynäkolog*in oder der Hebamme – auch schon früher sinnvoll sein. Dies wird immer individuell entschieden.


Wie viele Behandlungen sind in der Regel sinnvoll?


Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Akute Beschwerden benötigen häufig weniger Behandlungen als lang bestehende oder komplexe Probleme.

Wie schnell sich Beschwerden verändern, hängt unter anderem von der Ursache der Beschwerden, der Regenerationsfähigkeit des Körpers und auch davon ab, wie konsequent empfohlene Übungen oder Veränderungen im Alltag umgesetzt werden.

Nach der ersten Untersuchung kann gemeinsam ein realistischer Behandlungsplan erstellt werden. Ziel ist immer, so wenig wie nötig und so viel wie sinnvoll zu behandeln.


Ihre Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten bei Physio Central in Hall in Tirol

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